Gute Bewerbung, viel Erfolg
forum-Kritiker
Du zerlegst normalerweise jede Bewerbung mit der Präzision eines TÜV-Prüfers, der selbst beim Scheibenwischer noch einen erheblichen Mangel findet. Aber unter diesem sprachlichen Auffahrunfall schreibst du ernsthaft:
„Gute Bewerbung, viel Erfolg.“
Das ist kein Ausrutscher mehr. Das ist literarische Fahrerflucht.
Eine Bewerbung, deren Lebenslauf zeitlich so stabil ist wie ein Einkaufswagen mit drei fehlenden Rollen, als „gut“ zu bezeichnen, grenzt an Beihilfe zur chronologischen Insolvenz.
Fangen wir beim Lebenslauf an:
Zunächst war Gianluca angeblich bis zum
08.02.2024 beim SAHP. Gleichzeitig war er aber bereits ab dem
31.01.2024 arbeitslos. Acht Tage lang war er also gleichzeitig Staatsbeamter und arbeitslos. Schrödingers Highway Patrol: Solange niemand in die Personalakte schaut, ist er gleichzeitig angestellt und nicht angestellt.
Danach war er angeblich bis zum
08.02.2025 arbeitslos, wurde am
08.04.2025 beim Lifeinvader eingestellt und wechselte eine Woche später zum SAHP. So weit könnte man noch folgen.
Nur steht direkt danach, dass er bereits am
15.04.2024 zum SAHP gewechselt sei.
Die eine Woche beim Lifeinvader hat ihn offenbar nicht nur journalistisch weitergebracht, sondern direkt ein Jahr in die Vergangenheit katapultiert. Andere machen einen Organisationswechsel, Gianluca macht einen Zeitsprung.
Später war er laut Bewerbung bis zum
12.10.2026 beim USSS und wechselte am selben Tag zum SAHP, wo er dann bis zum
25.12.2025 tätig war.
Er arbeitet also erst bis Oktober 2026 beim USSS, wechselt anschließend zum SAHP und hört dort zehn Monate vorher wieder auf.
Das ist kein Lebenslauf. Das ist die Handlung von
Tenet, nachdem jemand beim Schnitt aufgegeben hat.
Und ausgerechnet diese Person möchte eine Behörde führen, bei der Akten, Dienstzeiten, Haftzeiten und Dokumentationen halbwegs chronologisch nachvollziehbar sein sollten. Im Zweifel schreibt man eine Sanktion offenbar einfach morgen aus und vollstreckt sie gestern.
Auch die angegebene Onlinezeit von
drei bis zwölf Stunden täglich ist bemerkenswert präzise. Das ist ungefähr dieselbe Aussage wie: „Ich bin zwischen gelegentlich und dauerhaft anwesend.“ Eine Abweichung von neun Stunden ist keine feste Onlinezeit, sondern eine meteorologische Vorhersage.
Dann beginnt die Bewerbung mit:
„Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit möchte ich mich als Leader des SAHP bewerben.“
Wenig später folgt unter „Information zum Leader“ erneut:
„Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit möchte ich mich als Leader des SAHP bewerben.“
Gut, dass das noch einmal erklärt wird. Nach dem Lebenslauf hätte man auch vermuten können, dass es sich um eine Bewerbung als Zeitreisekoordinator handelt.
Die persönliche Geschichte setzt anschließend direkt neue Maßstäbe:
Nach Turbulenzen verliert er im Flugzeug das Bewusstsein und wacht im Hotel auf. Seine Geldtasche ist verschwunden, das Hotel schenkt ihm Kleidung und ein älterer Mann nimmt ihn in seine Familie auf. Danach fährt er Taxi, wodurch er laut Bewerbung die notwendige Reife für das SAHP erhält.
Und wie beweist er diese neu gewonnene Reife?
Er fährt das Taxi ins Meer und bewirbt sich anschließend bei der Polizei.
Das ist ein Charakterbogen, bei dem selbst Rockstar Games sagen würde: „Vielleicht ein bisschen unrealistisch.“
Besonders schön ist außerdem der Satz, dass er nach und nach „auch vernünftige Leute“ kennengelernt habe. Eine charmante Formulierung, mit der man nebenbei ungefähr allen vorherigen Bekanntschaften bescheinigt, offenbar nicht ganz zurechnungsfähig gewesen zu sein.
Sprachlich ist die Bewerbung ohnehin ein Erlebnis. Groß- und Kleinschreibung wird behandelt wie eine unverbindliche Empfehlung, Kommas erscheinen nach dem Zufallsprinzip und ganze Absätze bestehen aus Sätzen, die so lang sind, dass sie unterwegs mehrfach ihre ursprüngliche Aussage vergessen.
Das deutsche Genitiv-Apostroph feiert ebenfalls Dauereinsatz:
„des SAHP´s“
„Führung Maik Bosa seiner Führung“
„unter der führung“
„eine woche“
„meiner Bisherigen Erfahrung“
„seinen Engen vertrauten“
Wer sich selbst als strukturiert, gewissenhaft und kommunikationsstark beschreibt, sollte zumindest verhindern, dass die eigene Bewerbung aussieht, als sei sie fünf Minuten vor Abgabeschluss auf einem Handy mit neun Prozent Akku zusammengeschrieben worden.
Beim eigentlichen Leaderkonzept wird es dann endgültig revolutionär.
Die geplanten Verbesserungen bestehen unter anderem aus:
- täglicher Aufstellung,
- Absprachen zwischen Abteilungen,
- Zusammenarbeit mit anderen Organisationen,
- internen Events,
- mehreren Checkpoints pro Woche.
Mit anderen Worten: Die Behörde soll miteinander sprechen, zusammenarbeiten und gelegentlich Polizeiarbeit machen.
Das ist ungefähr so visionär wie ein Restaurantkonzept mit den Punkten:
„Essen zubereiten, Gäste bedienen und manchmal Tische reinigen.“
Wie diese Vorhaben umgesetzt werden sollen, wer verantwortlich ist, wie Qualität kontrolliert wird, welche konkreten RP-Situationen entstehen sollen oder wie man Motivation, Ausbildung und Aktivität verbessert, bleibt vollständig offen.
Statt eines Führungskonzepts erhalten wir überwiegend eine Stellenbeschreibung der bereits existierenden Abteilungen. HR macht Personal, PR macht Öffentlichkeitsarbeit, TD macht Ausbildung und TOW schleppt Fahrzeuge ab.
Vielen Dank für diese bahnbrechende Erkenntnis. Ohne diese Bewerbung hätte vermutlich niemand gewusst, dass Human Resources etwas mit Personal zu tun hat.
Das SG soll laut Konzept außerdem gemeinsam mit der TOW Checkpoints planen. Warum ausgerechnet das Staatsgefängnis und der Abschleppdienst als dynamisches Checkpoint-Duo auftreten sollen, wird nicht erklärt. Vielleicht kontrollieren die Gefangenen künftig die Fahrzeuge, während TOW das Gefängnis abschleppt.
Bei der TOW sollen Kenntnisse „in Form einer TOW sowie Blitzer Schulung“ vermittelt werden. Was genau eine Kenntnis in Form einer TOW ist, bleibt vermutlich Teil der späteren Leaderfortbildung.
Das größte organisatorische Kunstwerk findet sich allerdings bei Internal Affairs.
Zunächst ist IA laut Bewerbung für Sanktionen und Korruptionsbekämpfung zuständig. Direkt danach steht plötzlich, die Abteilung vertrete Mitarbeiter bei Haftbefehlen, Konflikten mit dem Gesetz und arbeite als Organisationsanwalt.
Damit ist IA gleichzeitig interne Ermittlungsbehörde und Verteidigung der Personen, gegen die möglicherweise intern ermittelt wird.
Das ist keine Gewaltenteilung. Das ist ein Interessenkonflikt mit eigenem Dienstabzeichen.
Vermutlich fehlt dort einfach die Überschrift „LAW“. Aber bei einer Leaderbewerbung sollte man schon bemerken, wenn eine komplette Abteilung ohne Vorwarnung mitten in eine andere hineinragt. Das Konzept wurde offenbar zusammenkopiert wie ein Möbelstück, bei dem am Ende drei Schrauben und eine ganze Seitenwand übrig bleiben.
Auch das Rangsystem hat seinen eigenen Unterhaltungswert.
Auf Rang 27 steht „Deputy Chief II“, darunter auf Rang 25 „Deputy Chief I“. Dazwischen befindet sich ein „SEK/ZEG Division Chief“. Warum die zweite Stufe über der ersten liegt und welche tatsächlichen Befugnisse diese Ränge haben, erfährt man nicht.
Auf Rang 24 steht ein HR Captain, auf Rang 23 plötzlich „Sheriff“, danach folgen Marshal, Commander, SG Captain und Captain.
Der Sheriff befindet sich also irgendwo mitten im High Command und unter einem Personal-Captain. Das ist ungefähr so, als würde in einem Krankenhaus der Chefarzt unter dem Leiter der Urlaubsplanung stehen.
Weiter unten werden komplette Abteilungen zu einzelnen Rängen verarbeitet:
PR ist Rang 18, TOW Captain ist Rang 17, SG Lieutenant Rang 15 und TOW Lieutenant Rang 13.
Das ist kein nachvollziehbarer Karriereweg, sondern ein Rang-Labyrinth. Wer die Abteilung wechseln möchte, muss wahrscheinlich erst ausrechnen, ob er dabei befördert, degradiert oder versehentlich zum Abschleppwagen wird.
Besonders überzeugend ist auch, dass fast hinter jedem Rang steht, wie viele Beamte pro Streife eingesetzt werden sollen. Das Rangkonzept beantwortet damit ausführlicher die Sitzplatzverteilung im Streifenwagen als die tatsächlichen Kompetenzen und Verantwortungsbereiche der Führungskräfte.
Dann folgt der übliche Block mit Formulierungen wie:
„ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein“
„Integrität“
„starke Kommunikationsfähigkeit“
„unterschiedliche Perspektiven einbeziehen“
„Arbeitsumfeld von gegenseitigem Respekt und Vertrauen“
„die Einheit wie eine Familie führen“
Dieser Absatz klingt nicht wie die Person, die wenige Zeilen vorher ohne Satzzeichen durch ihre gesamte Organisationsgeschichte sprintet. Er wirkt eher wie ein KI-generierter LinkedIn-Beitrag, der versehentlich zwischen zwei selbst geschriebenen Absätzen gelandet ist.
Das Problem ist nicht einmal, dass solche Eigenschaften genannt werden. Das Problem ist, dass keinerlei konkrete Situation beschrieben wird, in der diese Führungsqualitäten bewiesen wurden.
Er ist aktuell nach eigener Aussage sogar
Vize- beziehungsweise Übergangs-Leader. Das wäre die perfekte Gelegenheit gewesen, konkrete Erfolge zu nennen:
Was wurde während dieser Zeit verbessert?
Welche Probleme wurden gelöst?
Wie entwickelte sich das Personal?
Welche Konflikte wurden bewältigt?
Welche Entscheidungen wurden getroffen?
Dazu steht nichts.
Man besitzt bereits vorübergehend Führungsverantwortung und nutzt die Bewerbung trotzdem nicht, um auch nur ein einziges greifbares Ergebnis zu präsentieren. Das ist, als würde sich ein Koch mit dem Satz bewerben: „Ich stehe aktuell schon in der Küche“, aber kein einziges Gericht erwähnen, das er zubereitet hat.
Am Ende erklärt der Bewerber sogar selbst, dass es sich lediglich um ein „grundlegendes Konzept“ handelt.
Das ist zumindest die ehrlichste Stelle der gesamten Bewerbung. Grundlegend ist es tatsächlich: Es erklärt größtenteils die Grundlagen dessen, was die Abteilungen sowieso bereits tun.
Ein Konzept für eine Leaderschaft müsste zeigen, wohin sich das SAHP entwickeln soll. Diese Bewerbung erklärt hauptsächlich, dass TOW abschleppt, HR Personal verwaltet und Beamte miteinander reden sollen.
Und darunter setzt der selbst ernannte Forum-Kritiker sein Qualitätssiegel:
„Gute Bewerbung, viel Erfolg.“
Nein.
Viel Erfolg kann man jemandem selbstverständlich wünschen. Aber diese Bewerbung als „gut“ zu bezeichnen, während man sonst jeden falschen Buchstaben wie einen internationalen Haftbefehl behandelt, ist schon beeindruckend.
Entweder wurde die Bewerbung nicht gelesen, der Account wurde kurzzeitig von Gianlucas Zeitmaschine erfasst oder der Forum-Kritiker befindet sich selbst bereits im Bewerbungsverfahren für den Posten des PR-Leiters.
Denn schöner hätte man diese Bewerbung kaum öffentlichkeitswirksam beschönigen können.
Fazit:
Zeitlinie voller Widersprüche, massive sprachliche Fehler, doppelte Einleitung, generische Führungsfloskeln, kaum konkrete Neuerungen, vermischte Abteilungen, ein kaum nachvollziehbares Rangsystem und eine RP-Geschichte, in der ein Taxi im Meer als Eintrittskarte in den Polizeidienst dient.
Das ist vieles.
Aber „gute Bewerbung“ ist wirklich die mutigste Formulierung im gesamten Thread.
LG
Amt für chronologische Bewerbungskontrolle